close
Stories & InterviewsWater

Kaltwassersurfer in Deutschland: Christoph Pless stellt sich vor

Der Sommer neigt sich dem Ende, die coldwaves rollen an den Strand. Viele Urlauber kehren zurück nach Deutschland, die ein oder anderen infiziert vom Surf-Virus. Nun steht der Herbst vor der Tür und so manch Surf-Frischling fragt sich jetzt: Kann man in Deutschland eigentlich auch surfen gehen? Ja, das kann man! Wir waren im Interview mit Christoph Pless, der mit seiner Fotografie und seinem Blog „Cold Waves“ zeigt, dass man an der Nord- und Ostsee sehr wohl surfen kann:

Christoph Pless
Kaltwassersurfen by Christoph Pless

Hey Christoph, erzähl doch mal kurz und knapp wie dein Alltag aussieht und was du eigentlich so machst?

Hallo erstmal und vielen Dank für das Interview. Solch eine Ehre ist mir noch nie zugekommen, es freut mich. Mein Name ist Christoph Pless, auch bekannt als cold waves, ich bin verheiratet und habe zwei Töchter. Mein Geld verdiene ich leider nicht mit der Surffotografie, dafür fehlen mir die Kontakte und die nötige Reiselust. Deshalb bleibe ich im Norden und dokumentiere die Szene an Nord- und vor allem an der norddeutschen Ostsee. Aber wie sieht nun mein Alltag aus, im Grunde ganz langweilig, wie bei sagen wir mal 90% der arbeiten Bevölkerung. Sehr früh aufstehen, ins Büro oder auf die Baustellen und Nachmittags ist Feierabend. Ok, ich gebe zu zwischendurch wird immer wieder die Wettervorhersage und der Forecast gecheckt. Es könnte sich ja doch etwas bewegen auf der Ostsee und für einen Sundown-Surf ist dann immer etwas Zeit.

Seit wie viel Jahren surfst du eigentlich schon? Und war es schon immer Kaltwassersurfen? Falls nicht, wie kamst du zum Kaltwassersurfen?

Ende der 80er Jahre habe ich mit dem Windsurfen angefangen (natürlich auf der Ostsee, vor der Haustür). Das wurde mir dann aber Ende der 90er zu Materialaufwendig. Es stand ein neuer Job an und ich wollte sowieso ein neues Board. Windsurfen war damals ein Sommersport bis in den Herbst hinein: Wenn es Barfuß zu kalt wurde, war Winterpause. Dann ich erinnere mich, es war ein recht warmer, aber stürmischer Januartag 1998. Ich fuhr von Lübeck über Oldenburg/Holstein in Richtung Heimat und bemerkte in Weissenhaus die verrückten Wellenreiter in der Ostsee. Ich dachte mir: „Okay, das kannst du auch“. Ein Board, ein Neoprenanzug und Abfahrt. Meine Wellenreitbegeisterung war geboren.

Christoph Pless
Black and white shot / by Christoph Pless

Was reizt dich besonders am Kaltwassersurfen?

Wen reizt es schon bei Eiseskälte in eiskaltes Wasser zu gehen und das auch noch – zumindest an der Ostsee – bei Sturm? Mich reizt es bei solchen Bedingungen der Natur zu trotzen; genauso wie das Miteinander von Mensch, Meer und Welle. Und da wir nun mal keine richtigen Wellen (weder groß noch sehr druckvoll) haben, ist eben so ein Erlebnis mitten im Winter geradezu geschaffen, um es mit anderen Verrückten zu teilen. Mit den neusten Neoprenanzügen, die trotz 6mm, leicht, flexibel und warm sind, ist es eher ein psychisches als ein physisches Problem ins Eiswasser zu gehen und zu surfen.

Hattest du schon mal einen Moment, in dem du richtig Angst bekommen hast?

Hier im Wasser noch nie so richtig, ein mulmiges Gefühl schon eher mal (ich gehöre zur Generation des Filmes „Der Weiße Hai“) haha.
Richtig Angst bekommt man eher auf den Straßen, auf dem Weg zum Spot oder während man beruflich unterwegs ist. Das ist richtig gruselig heutzutage.

Christoph Pless
Cold Waves / by Christoph Pless

Deinen Lieblings-Surf-Spot wirst du uns wahrscheinlich nicht verraten 😉 aber gibt es einen Surf Spot auf der Erde, den du unbedingt mal entdecken möchtest?

Lieblingsspot, hm, meinen Spot quasi vor der Haustür kann ich dir verraten. Das ist das gute alte Weissenhaus. Wenn die Windrichtung stimmt und noch ein paar entscheidende Faktoren hinzukommen, dann kann es da schon ganz gut werden (für die norddeutsche Ostsee jedenfalls).
Es ist schon so, dass ich mir gerne mal die anderen Flecken der Ostsee anschauen möchte. Epische Bedingungen in Schweden, an der polnischen Küste oder noch weiter nach Norden. Aber grundsätzlich ist das ja schon alles von anderen Leuten entdeckt und ausgibig in den letzten Jahren darüber berichtet worden. Von daher bleibe ich hier und berichte über unseren Küstenabschnitt.

Christoph Pless
Kaltwassersurfer / by Christoph Pless

Erzähl doch mal etwas über das Nordsurf Syndikat? Was können sich unsere Leser darunter vorstellen? Und wie kam das zustande?

In unserem Vorwort auf unserer Seite habe ich in einfachen Worten beschrieben wie es zum Nordsurf-Syndikat gekommen ist, was ich jetzt einfach genauso nochmal übernehmen könnte. Mache ich aber nicht kann ja jeder selber nachlesen 😉 Auch wenn es in den letzten Jahren beim Syndikat etwas stiller geworden ist, wir sind noch da. Berichten weiterhin von Nord- und Ostsee Surf Sessions, bringen ein paar News und natürlich tolle Fotos aus den heimischen Gewässern. Unsere Fangemeinde ist nicht riesig, aber man kennt uns in der Szene im Norden und das ist wichtig. Immerhin waren wir die ersten die einen echten Ostsee Surf Contest auf die Beine gestellt haben, aber das ist eine andere Geschichte.

Du fotografierst. Woher nimmst du deine Inspirationen? Gibt es jemanden, der dich besonders inspiriert?

Ah, endlich die wichtigste Frage, um ein wenig mehr Eigenwerbung für mich zu machen haha schaut mal vorbei 😉 Ich bin zwar Surfer, doch Wellenreiten zu fotografieren ist meine Leidenschaft. Perfekte Wellen an Palmenstränden fotografieren kann jeder. Aber an und in der Ostsee gute Fotos zu machen – das ist schon etwas schwieriger. Ok, wirklich gute Fotos stehen und fallen mit den Surfern, die man fotografiert und eine ganze Portion Glück gehört für gelungene Fotos auch noch dazu. Inspiriert hat mich vor allem der niederländische Wasserfotograf Ruben Snitslaar (www.facebook.com/rubensnitslaar/ ) mit seinen klasse Nordseefotos und Tom Frey ( www.facebook.com/datripcom-7534179609/ ) hat tolle Line Up Shots. Also es sind eher die nicht so bekannten Leute, die mich wirklich gefesselt haben und bei denen man sich etwas abgucken kann.

By Christoph Pless
Kaltwassersurfer im Flug / by Christoph Pless

Und unsere letzte, aber wichtigste Frage: Was ist denn eigentlich dein Lieblings-Meerestier und warum? 🙂

Oh ha, eine gute Frage über die ich mir so bisher noch nie wirklich groß Gedanken gemacht habe. Früher fand ich Fischotter sehr faszinierend, vor allem wie sie da so im Wasser lagen und ihre Muscheln mit Steinen bearbeitet haben, einfach im Ozean treibend. Hat ein wenig was von einem Surffotografen. Von daher paßt das schon. Ich bedanke mich für die spannenden Fragen und ich hoffe ich konnte sie so einigermaßen beantworten, es gibt sicher noch mehr zu erzählen, aber das können wir ja bei Gelegenheit fortsetzen haha.

Falls ihr Christoph’s Fotos und das Nordsurf-Syndikat mal auschecken möchtet, dann könnt ihr das unter folgenden Links tun:
Facebook: www.facebook.com/coldwaves.photo/
Instagram: www.instagram.com/cold_waves/  @cold_waves
Cold Waves
Portrait von Christoph Pless

 

Die passende Surfausrüstung für deinen nächsten Kaltwassersurftrip bekommst du bei unseren Partnern von Blue Tomato:

 

Tina Kempka

The author Tina Kempka

Ich liebe das Meer, ich liebe die Berge, ich liebe das Abenteuer. Die Leidenschaft für das Schreiben habe ich vor nicht allzu langer Zeit zu einem festen Bestandteil meines Lebens gemacht. Egal auf welchem Terrain oder Fleckchen Erde ich mich bewege, ich versuche immer eine interessante Story zu Papier zu bringen. Als Kind wollte ich Meeresbiologin, Forscherin und Journalistin werden. Heute schreibe ich über das Meer, den Umweltschutz und den Lifestyle der Actionsportszene.