close
MountainStories & InterviewsTravel & AdventureTravel & Lifestyle

Free Ride Europe Tour – Im Interview

Hey Björn, was steckt hinter dem Projekt „Free Ride Europe“?

„Free Ride Europe“  ist ein zweimonatiger Roadtrip mit einem Camper Van und einem Splitboard im Gepäck durch Europa. Ich besuche zehn Länder und vor allem verschiedene Bergregionen: Angefangen vom Erz- und Riesengebirge über die Hohe und Niedere Tatra bis zu den Alpen und Pyrenäen. In all diesen Regionen möchte ich Menschen treffen und mich mit Ihnen über ihre Heimat unterhalten. Warum? Ich finde es wirklich erschreckend, wie sehr sich die europäischen Länder und scheinbar auch ihre Bewohner zunehmend von der – wie ich finde – genialen europäischen Idee entfernen. Deshalb will ich mir selbst ein Bild davon machen und glaube, über die Gemeinsamkeit der Berg- und Naturliebe einen guten Zugang zu meinen bisherigen Gesprächspartnern gefunden zu haben.

STB_FreeRideEurope_Map
Björns Reiseroute

Der Name des Projekts ist bewusst doppeldeutig: Snowboarden ist seit gut 25 Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens – insbesondere das Fahren abseits der Pisten, also „Freeriden“ mit normalem Snowboard oder Splitboard. Genau das will ich in den jeweiligen Regionen tun. Gleichzeitig habe ich während der gesamten Tour einen Schlafplatz und einen Beifahrersitz frei. Was liegt da näher, als einen „free ride“ anzubieten, also mich für ein paar Tage zu begleiten?

Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Im Prinzip ist die Idee zu „Free Ride Europe“ in einem sechsmonatigem Prozess entstanden, der sich aus einem Mix aus persönlicher Auszeit, Abenteuerlust und Neugier gespeist hat. Im Sommer 2017 bin ich nicht nur 40 geworden, sondern habe mich auch entschieden, nach mehr als zehn Jahren meinen Job als Geschäftsleiter und Berater in einer Hamburger Public Relations und Corporate Publishing Agentur zum Ende des Jahres zu kündigen. Ich wollte meinem Leben einfach eine neue Richtung geben oder einfach offen sein für Neues – wenn man 40 wird, denkt man halt über so einiges im Leben intensiver nach. Daraus ist zunächst das Projekt „The First 40“ entstanden, bei dem ich Spendengelder für die Klimaschutzorganisation Protect Our Winters (POW) sammle, um so zumindest ein klein wenig den CO2-Fussabdruck meiner früheren Reisen zu kompensieren.

freeride-europe-tour

Mit der Entscheidung zur Kündigung war dann jedenfalls auch klar, dass danach erst mal etwas Außergewöhnliches passieren müsste, bevor ich mit etwas Neuem anfangen konnte. An dem Punkt kamen Abenteuerlust und Neugier ins Spiel. Auf meinem Blog „St. Bergweh“ schreibe ich schon seit mehr als sechs Jahren über meine Outdoor- und Bergsportabenteuer – und zugegebenermaßen auch ganz gerne mal den einen oder anderen Rant, zum Beispiel über den Bayerischen Rundfunk, den Tourismusverband Kitzbühel, die Men’s Health oder zuletzt Instagram. Die Auszeit sollte also eine Gelegenheit sein, diese Abenteuerlust ausleben zu können und meine Neugier nach guten Geschichten, neuen Eindrücken und meinen eigenen Grenzen befriedigen. So entstand die Idee, mit einem Camper Van durch Europa zu fahren und Spaß mit etwas Sinnhaftem zu verbinden.

Und wie ist die Reiseroute entstanden? 

Einige Spots kamen wegen der Menschen auf die Liste an, die ich dort schon kenne und gerne treffen wollte, so zum Beispiel Mike Gelbrich von BuddyBuddy im Erzgebirge, Nicolas Metz von Delayon Eyewear in Innsbruck oder Stefan Plattner vom Positivity Camp, den ich in Corvatsch treffen werde. Wieder andere Spots ergaben sich auch Instagram-„Beziehungen“, wie das Treffen mit den Jungs von Gara Splitboards im tschechischen Riesengebirge oder mit der Freshies Crew aus der Schweiz, die mich auf ihre Berghütte in Goms und zum gemeinsamen Splitboardtouren gehen eingeladen haben. Außerdem hat mir Bene Heimstädt, der Herausgeber des Pleasure Snowboard Magazins, für das ich neben meinem Blog von der Tour berichten werde, noch einige Tipps gegeben, wo ich wen treffen könnte. Und dann war da noch der Traum von was Außergewöhnlichem, aber trotzdem Erreichbaren: die Pyrenäen. Das Ganze sollte natürlich sinnvollerweise eine Rundtour werden. Ist es auch geworden und sieht lustigerweise wie ein wunderschöner Berg aus.

freeride-europe-tour

Du wohnst während deiner Reise in einem Camper Van, denkst du nicht, dass es ein wenig kalt werden könnte?

Das stimmt, aber noch bin ich nicht erfroren. Tatsächlich lebe ich in dem Camper Van, der mir von Sunlight für die Recherchereise zur Verfügung gestellt worden ist, sehr komfortabel. Der Van ist gut isoliert und lässt sich selbst bei extremen Minusgraden gut auf 18 bis 19 Grad aufheizen, was absolut reicht, um sich wohlzufühlen. Man muss halt ab und an die dafür nötigen Gasflaschen tauschen. Das Bett bietet easy Platz für zwei Leute. Küche mit Spüle, Kühlschrank und Herdplatten sowie Minibad mit Toilette, Waschbecken und sogar Duschmöglichkeit sind ebenfalls vorhanden. Passt also.

Das Problem ist demzufolge weniger die Kälte, sondern dass man einen Stromanschluss findet, damit die Steckdosen funktionieren, um Kameras, Laptops und Co aufladen zu können. Und die unterschiedlichen Gasflaschenstandards in Europa nerven, was das austauschen bzw. nachfüllen erschwert.

Was ist das Ziel deiner Reise?

Genau das, einen europaweit einheitlichen Gasflaschenstandard. Nein, im ernst, das ist doch der Punkt: Wir haben über die letzten Jahrzehnte so viel erreicht, um das Zusammenleben in Europa zu vereinfachen und möglichst konfliktfrei miteinander zu leben. Ich habe das Gefühl, wir geben das Ganze gerade ohne jegliche Gegenwehr Stück für Stück wieder her. Und dann stehen wir an Grenzkontrollen oder Geldwechselstuben an, beantragen Visa oder Arbeitserlaubnisse für unsere Urlaube und Auslandspraktika oder müssen liebgewonnene Freunde verabschieden, die plötzlich nicht mehr in Deutschland blieben dürfen. Studienabschlüsse werden nirgendwo mehr anerkannt, wir können nicht mehr arbeiten, wo wir wollen oder wir schlagen uns wieder gegenseitig die Köpfe ein, weil irgendein Staatsoberhaupt das für gut und richtig erachtet. Wenn ich mit der Reise in irgendeiner Form dazu beitragen kann, dass einigen Menschen der Wert dieser europäischen Idee wieder bewusst wird und sie dafür kämpfen, dann habe ich ein großes Ziel meiner Reise erreicht. Ansonsten sollen wie gesagt einfach nur lesens- oder sehenswerte Geschichten entstehen und bei mir Bilder im Kopf, die haften bleiben und Freundschaften, die die Zeit überdauern.

Hast Du schon ein neues Projekt geplant oder eine nächste Reise?

Zunächst einmal werde ich damit zu tun haben, mir einen neuen Job zu suchen und das Erlebte zu verarbeiten. Dass mir kein neues Projekt einfällt, kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht entdeckt mich ja auch die EU als Botschafter der europäischen Idee und finanziert mir das weitere Reisen. Wer weiß… Ansonsten werde ich im Sommer wieder einige Bergabenteuer und Hüttentoren angehen. Keine Ahnung. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Eurer Leser eine Idee. Dann sollte es bzw. sie sich einfach mal bei mir melden, egal wie verrückt die Idee klingen mag – Kontaktdaten findet man im Netz.

Danke Björn!

Tags : SplitboardingVanlife
Katha

The author Katha

Ich heiße Katha und bin freiberufliche und surfende Journalistin. Wenn ich nicht gerade mit meinem Bulli Bruno kleine Longboardwellen suche, dann schreibe ich Texte über Wellen, Reisen und die weite Welt. Ich leite die Redaktion für das goodtimesmag und bin Co-Founder von "Salty Souls"!
Goodtimes Mag
Melde Dich jetzt bei unserem Newsletter an
Erhalte als Erster News aus den Actionsportbereichen WATER, MOUNTAIN, STREET,  EVENTS, TRAVEL & LIFESTYLE.
Ja, ich habe Lust auf Goodtimes News!
Nein, danke!
close-link

Warning: Cannot assign an empty string to a string offset in /www/htdocs/w00edf71/html/goodtimesmag/wp-includes/class.wp-scripts.php on line 426

Warning: Cannot assign an empty string to a string offset in /www/htdocs/w00edf71/html/goodtimesmag/wp-includes/class.wp-scripts.php on line 426