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Freeride Melange: Filmproduzent Daniel Falk im Interview!

Freeride Melange Crew by Miriam Lottes

Berg und Stadt, das ist wie Kaffee mit Milchschaum. Der Eine mag es, der Andere bleibt lieber beim Kaffee ohne alles. Doch im Film Freeride Melange haben es sieben passionierte Skifahrer aus Wien genau auf diese Mischung abgesehen. Sie leben ihre Soulmomente in der Stadt und am Berg, fahren Stunden mit dem Auto für eine Steilabfahrt oder einen Powderschwung, um dann mit Wiener Schmäh am Würstelstand in der vermeintlich lebenswertesten Stadt der Welt zu stehen. Eine Kombination, die nicht jeder verstehen kann, die aber umso mehr ein spannendes Feelgoodmovie zum Schmunzeln und Genießen hervorgebracht hat. Im Interview erzählt Produzent Daniel Falk von seiner Arbeit am Film und wie dieser die Liebe zu Wien und zum Freeriden in den Bergen zusammenbringt.

Jeder Charakter in “Freeride Melange” ist in seinem eigenen Element zu sehen – der eine auf seiner Yogamatte, der andere ganz chillig in seinem Sessel und jemand in einem Fotostudio. Also: Woher kennt ihr euch eigentlich und wie kam die Idee zustande?

Die Idee zu „Freeride Melange” ist unter den Fahrern entstanden, die kennen sich schon seit Ewigkeiten. Sie sind als Kinder schon gemeinsam Ski gefahren, aber haben sich alle in verschiedene Richtungen entwickelt. Und das war auch der Anstoß, das ganze „Melange” zu nennen. Weil es eben um die Mischung geht. Im weiteren dann auch um die Mischung zwischen Stadt und Berg – der Kaffee ist sozusagen das dunkle, graue und das Weiße wär dann der Milchschaum und der Schnee-Teil. Und diese Metapher war ausschlaggebend für den Film und den Stil.

Wie bist du zu dem Projekt gekommen?

Ich hab die Crew erst kennengelernt, als das Projekt begonnen hat. Sie hatten die Idee und dann gab es einen Hilferuf nach jemandem, der Herzblut mit reinbringt und die Idee zum professionellen Film umsetzen kann. Sehr lustig war es, weil ich mit einem der Fahrer Ausbildungen gefahren bin. So war dann relativ schnell genügend Vertrauensbasis da. Das ist ein Riesenthema bei so einem Film: die Persönlichkeit der Skifahrer! Nur, wenn man da wirklich aufpasst und bedenkt: Was ist deren Hintergrund – nur dann wird es ein schönes und authentisches Ergebnis.

Wie ist es entstanden, dass man diese zwei Gegensätze hat: Wien, die Stadt mit dem Wiener Schmäh und dann der Wintersport, weit draußen in den Bergen? 

Die Fahrer sind alle in Wien aufgewachsen und haben in irgendeiner Form Geschwister oder Eltern, die Bergsport-affin sind. Einer sagt ja auch im Film, er ist mehr oder weniger domestiziert worden zum Skifahren. Zusammengekommen sind sie im Skiclub Edelweiss, der eine Sektion des Alpenvereins in Wien ist. Sie waren alle sehr talentiert und erfolgreich, was das Rennenfahren betrifft und haben sich dann immer mehr in Richtung Freeride entwickelt. Aber sie wollen auch alle die Stadt nicht missen. Deswegen wohnen sie nach wie vor in Wien.
Und Wien spielt eine andere Stärke aus. Der Wiener Schmäh, von dem die Rede ist – das hat viel schwarzen Humor. Dieses österreichische Jammern kommt einfach von dort. Das hat einen gewissen Charme, den man nicht missen möchte. Das zu erklären war eine der Herausforderungen im Film. Die Fahrer sagen: „Wien ist einfach Heimat.” Und das ist so das Gefühl: Du kannst dahin kommen, setzt dich in ein Wiener Kaffeehaus und da ist es einfach gemütlich. Das ist schwer zu ersetzen. 

Freerider Robert Maruna, fotografiert von Miriam Lottes
Robert Maruna, © Miriam Lottes

Man könnte es vielleicht vergleichen mit dem Hamburger Schietwetter, das ist auch sowas, was einfach dazu gehört. Oder vielleicht die Berliner Schnauze – das hat was negatives, aber irgendwie liebt man es ja trotzdem, oder?

Genau, auf jeden Fall ist das ganz was ähnliches. Was mir immer auffällt: Wien ist am Ende des Tages immer total geborgen. Es wird zwar gesagt: „Ich seh’ um 8 in der Früh in der U-Bahn nicht dieses Geborgene.” – Aber es ist genau so: In Wien ist alles einfach. Es gibt kein Viertel, wo man nicht hingehen kann. Wien ist eine Großstadt mit mittlerweile fast zwei Millionen Einwohnern und es ist alles sicher. Man braucht sich keine Gedanken machen, es ist unkompliziert, die Wohnungen sind teuer, aber noch irgendwie leistbar. – Und das ist in vielen Großstädten verloren gegangen. 

Im Film wird sehr kreativ mit der Melange-Idee gespielt. Wie ist es zu dieser Umsetzung gekommen?

Es war schon viel Denkarbeit. Ich hab drei Drehbücher geschrieben, bis es so war, wie es jetzt geworden ist. Zwar kein minutiöses Drehbuch, weil es ja ein dokumentarischer Film ist. Das heißt, es gibt vorab nur eine grobe Idee: Worauf will man hinaus? Und dann entwickelt es sich am Berg und mit den Interviews immer weiter. Das macht aber auch den Reiz einer Doku aus. Weil man nicht eine Idee niederschreibt und dann ist es genau die, sondern es kommt immer wieder was neues und dann muss man schnell sein und adaptieren. Und man braucht in der Postproduktion Menschen, die mit dem Input mitgehen und in der Lage sind, weiterzudenken.

Auffällig ist da zum Beispiel die Musik in dem Film, die ebenso ein bisschen mit den Wiener Wurzeln spielt. Da gibt es diese Stelle, wo man den Wiener Walzer hört und alle fallen die ganze Zeit nur auf die Schnauze.

Das war zum Glück auch im Team in der Postproduktion von allen Seiten immer wieder so, dass alle was mit eingebracht haben. Ziel war, dass der Film einen Soul kriegt und ein bisschen diese Gemütlichkeit mitnehmen kann. Obwohl sie in der Szene eben durch die Gegend stürzen, tanzen sie ein bisschen mit dem Berg. Und wie es halt auch im Tanz ist: Immer passt es nicht ganz zusammen mit dem Partner. Aber wenn dann der Moment kommt, wo es passt, dann fühlt es sich einfach unglaublich an.

Foto der Freeride Melange von Bastian Meier
Freeride Melange, © Bastian Meier

 Was hast du bei jeder Bergtour dabei? Was darf nicht fehlen?

500 Kilokalorien. 

Ok, alles klar. [Lachen]

Ist tatsächlich so: Natürlich haben wir sämtliches Sicherheitsequipment, aber das ist selbstverständlich. Es ist vollkommen egal, auch wenn ein 95-Prozent-Pistentag angesagt ist: In meinem Rucksack ist ein LVS-Gerät, eine Schaufel, eine Sonde und er hat einen Airbag. Den nehm ich einfach mit. Aber dann kommen die persönlichen Sachen: Ich schau immer, dass ich Reservekalorien dabei hab, in irgendeiner Form. Denn wenn das ausgeht, ist das Team zu vergessen. Wenn man keine Energie mehr hat, wird nix mehr gut, das Fahren macht keinen Spaß und wenn das passiert, ist soundso eine Katastrophe. Sonst: klar, was zu trinken – und eine zweite Jacke und eine Haube, damit es schön warm ist. 

Bist du ein bisschen traurig gewesen, als die Arbeit am Projekt zu Ende ging?

Nein, tatsächlich überhaupt nicht. Denn: Es ist ganz wichtig, dass so ein Projekt einen Abschluss findet. Es gibt einen schönen Spruch von einem Regisseur, den ich sehr schätze [Werner Herzog, Anm. d. Red.], der heißt: „We are not garbage collectors. We are filmmakers.”  Gemeint ist: Wir sollen net Tonnen an Material sammeln, wo einfach keiner weiß: Wofür ist das gut? Das passiert bei Skifilmen eh trotzdem – man dreht einfach manchmal an Tagen, wo net das passiert, was man sich wünscht, wo einfach die Stimmung net so ist, wie man es gern hätte oder die Bedingungen net passen. Das ist ganz normal. Es ist gut so, dass dann trotzdem gedreht wird, denn dann bleibt alles im Fluss. Aber man muss nicht immer noch mal und noch mal. Das hab ich in dem Projekt stark gelernt.

Michael Strauss im Film "Freeride Melange", Foto von Miriam Lottes
Michael Strauss, © Miriam Lottes

Wie war das, als der letzte Drehtag im Kasten war? 

Der letzte Drehtag war ganz spät in der Saison, Ende April, und wir waren am Gletscher. Wir haben oben übernachtet, auf 3000m und dann im Sonnenaufgang gedreht. Es wurde ein unheimlich langer Tag: Sonnenaufgang beginnt um vier, halb fünf im Frühjahr und wir haben gedreht bis um drei. Dann geht es zu Ende und für zwei Drehtage am Gletscher, mit Übernachtung, hatten wir so viel Equipment, dass diese ganze 60-Personen-Gondel, einfach voll war mit unserem Zeug. Wir stellen das alles rein und die Fahrer haben sich umgezogen, stehen in Boardshorts und Flipflops da. Dann kommt man unten raus, und merkt richtig, wie alle so fühlen: „Wuuusch… – und jetzt ist’s geschafft.” Das ist wirklich unbeschreiblich. Da weiß man: Es sind zwei Jahre Arbeit für den Dreh abgeschlossen! Jetzt geht es in die Postproduktion und dann kommt was schönes dabei raus. Das ist wirklich ein toller Moment, weil man weiß: Es sind alle heil unten und alles hat geklappt, es sind schöne Bilder geworden. 

Für weitere Infos und Kinotermine folgt dem Film auf Facebook und Instagram. Mehr Interviews findet ihr hier.

 

Mitja Steffens

The author Mitja Steffens

Von Hamburg aus bin ich immer auf der Suche nach etwas Neuem in der Welt – zu Wasser, in den Bergen oder in der Luft: Hauptsache, es weckt Leidenschaft! Vom neuesten Trendsport bis hin zum Musikgeheimtipp – nur die besten Früchte teile ich hier mit euch!

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