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Hoffnungslos Addicted – Als Surfer-Rookie auf Hawaii

Fotocredit: Caro Köhler
Fotocredit: Caro Köhler

Da steht er, mit weit ausgebreiteten Armen: Duke Kahanamoku. The Big Kahuna. Der Surfer aller Surfer und Begründer des modernen Wellenreitens. Mit dem Rücken zum Meer hat man seine Statue am Waikiki Beach aufgestellt. Ob ihn das geärgert hätte? Um den Hals des Bronze-Dukes und seine Arme hängen Leis, die hawaiianischen Blumenketten duften süß in der Sonne. Vermutlich haben Surfer sie hier hin gehängt – um um bessere Wellen zu bitten oder um Dukes Schutz, wenn sie sich in die Pipeline hinauswagen.

Hätte ich vielleicht auch einen Lei mitbringen sollen? Schließlich könnte ich den Schutz des Big Kahuna gut gebrauchen. Denn heute Nachmittag will ich mich zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Surfbrett in die Wellen wagen. Als begeisterte Wakeboarderin, Meer-Liebhaberin und Boardsport-Verrückte kann ich Hawaii ja wohl kaum verlassen, ohne Surfen ausprobiert zu haben. Von der North Shore halte ich mich natürlich fern – ich will mich ja nicht in den Monsterwellen umbringen. Und auf Waikiki Beach habe ich keine Lust. Auch wenn der Surfspot mitten in Honolulu legendär ist – mir ist es hier zu voll. Außerdem habe ich wenig Interesse daran, einem der Locals in die Quere zu kommen. Auch wenn es mich immer schon gewundert hat, dass die von außen so relaxed wirkende Surfer-Community offenbar ziemlich unentspannt wird, wenn es um ihre Wellen geht. Aber als Surf-Touri und Anfänger muss ich nun wirklich nicht das Lineup durcheinander bringen.

Wir fahren also in den Westen der Insel Oahu, zu einer kleinen SUP- und Surfschule, die neben einem abgesperrten Erholungsgebiet für Militärangehörige liegt. Unser Surflehrer Mana lädt die Bretter auf einen Wagen, wir müssen durch eine Personenkontrolle vorbei an einem streng guckenden US-Soldaten in kompletter Montur. Ein paar Meter laufen wir zwischen kleinen Bungalows durch, dann plötzlich erstreckt sich vor uns ein komplett menschenleerer Strand. Die Wellen hier sind nur für uns.

surfen
Fotocredit: Caro Köhler

Ich bin überrascht, wie riesig die Bretter für uns Anfänger sind. Sie sehen fast aus, wie SUPs. Erstmal legen wir uns damit Surflehrer Mana zu Füßen in den Sand. Er erklärt uns, wie wir Paddeln und was wir machen sollen, wenn uns dabei eine Welle entgegen kommt. Dann geht es ans Aufstehen. Mana gibt das Kommando, wir springen auf das Board und versuchen, in einer einigermaßen eleganten Surfer-Haltung zu landen. Und vor allem, dabei auch noch die Mitte des Boards zu treffen. Ich stehe meistens daneben, Mana schickt uns aber trotzdem ins Wasser: „Don’t waste your time – it’s better to practice in the water!“

Seeigel, Riffs und Strömungen

Ich befestige also die Leash an meinem Knöchel und klemme mir die Spitze des Bretts unter den Arm. Das Ding ist verdammt schwer, ich muss es durch den Sand schleifen und habe dann erst mal mit der Brandung zu kämpfen bis ich so tief im Wasser bin, dass ich mich drauflegen kann. Mana hat uns gewarnt: Etwa auf unserer Starthöhe ist ein Stück weiter rechts ein Riff. Von dort sollen wir uns fernhalten. Und das Wasser ist flach, der Untergrund steinig und voller Seeigel. Also keine Kopfsprünge, wenn wir stürzen, sondern schön flach auf die Oberfläche klatschen lassen. Ein bisschen mulmig zumute ist mir auch wegen Strömungen, vor denen an jedem noch so kleinen Strand auf Oahu gewarnt wird. „That’s not Sunset Beach, that’s a Grandpa-Beach“, lacht Mana und beruhigt mich.

Fotocredit: Caro Köhler
Fotocredit: Caro Köhler

Einen nach dem anderen ruft Mana dann zu sich rüber und wartet mit uns auf eine gute Welle. Kommt eine, gibt er das Kommando: „Paddle!“ Dann schubst er das Brett in die Welle, während ich so schnell ich kann die Arme links und rechts neben dem Board durchs Wasser ziehe. Von hinten höre ich Mana rufen: „Up!“ Ich stütze die Hände aufs Brett und will aufstehen. Aber offenbar will ich es noch nicht genug. Meine erste Welle reite ich auf den Knien. Aber das Gefühl, vom Wasser mitgenommen zu werden, ist schon mal sehr sehr cool.

Bloß keine Welle verschwenden

Ich strahle vom einen Ohr zum anderen als ich mein Board drehe und wieder zu Mana zurück paddle. Die nächste Welle bitte. Und dann lerne ich, dass Surfer geduldig sein müssen. Eine gefühlte Ewigkeit lang bewegt sich das Wasser so gut wie gar nicht. Dann endlich kommt wieder eine etwas größere Welle auf uns zu. Wieder schiebt mich Mana an – und diesmal traue ich mich, aufzustehen. Bloß keine Welle verschwenden. Die Welle trägt mich vor sich her. Ich surfe. Wie cool ist das denn bitte? Und auch wenn ich zu weit links auf dem Board stehe, nach ein paar Metern umkippe und mit dem Hintern haarscharf an ein paar Seeigeln vorbeischramme: Jetzt habe ich Blut geleckt. Die nächste halbe Stunde läuft wie in Trance ab: Lospaddeln. Hinstellen. Surfen. Reinfallen. Wasser schlucken. Zurück aufs Brett. Weiter paddeln. Weiter Surfen.

Fotocredits: Caro Köhler
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Surfen macht süchtig. Sofort. Ohne Chance auf Heilung.

Nach zwei Stunden brennen meine Arme, mein Nacken tut weh und das auf meiner Nase sind nicht mehr nur Sommersprossen, sondern ganz eindeutig Sonnenbrand-Flecken. Egal. Ich sehe nur noch Wellen. Und zwar eine besonders große. Auch Mana hat sie gesehen. „Try it by yourself!“ ruft er. Ich bringe mich in Position und fange früh an zu paddeln. Die will ich unbedingt kriegen. Ich spüre den Schub von hinten, das Wasser gluckert um die Spitze des Boards und dann ist er da, dieser fast schon magische Moment, in dem die Welle das Board mitnimmt und mich übers Wasser trägt. Ich springe auf das Brett, finde mein Gleichgewicht und stehe. Wind pfeift mir um die Nase, ich balanciere auf dem Wasser und bewege mich richtig schnell auf den Strand zu. Abspringen? Ich denke gar nicht dran. Diese Welle wird bis zum Ende gesurft. Und zwar bis mein Board auf den Strand aufläuft, denn ehrlich gesagt weiß ich immer noch nicht so genau, was ich hier tue.

Ich weiß nur, dass es mich sehr sehr glücklich macht. Meine Muskeln sind leergepaddelt, alle Sorgen sind raus aus meinem Kopf. Dafür quillt mein Herz gerade über vor Freude. Hinter mir Palmen. Vor mir ein Surfspot nur für uns Anfänger. Blauer Himmel. Salz auf der Haut. Sand in den Haaren. Warme Sonnenstrahlen. Und das Gefühl, dass ich mich in der Heimat des Surfens schwer ins Wellenreiten verliebt habe.

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Carolin Köhler

The author Carolin Köhler

Ich bin Caro, 36 Jahre alt und wohne in Köln. Leider ist das ziemlich weit weg vom Meer, deswegen sind die Wakeboard-Cables meine zweite Heimat geworden. Und weil ich finde, dass man nie zu alt ist, um etwas Neues zu lernen, stelle ich mich als nächstes aufs Longboard. Auf 52weeks52sports.de blogge ich übers Boarden und über alle anderen Sportarten, die ich dieses Jahr ausprobiere.