close
Stories & InterviewsWater

Im Interview mit Sylvia Earle

Hope Spots, das Lieblings-Meerestier und Aktivismus

Bei der Frage, welches ihr Lieblings Meerestier ist, weiß die amerikanische Ozeanografin und Umweltaktivistin Sylvia Earle prompt eine Antwort: „Der Mensch. Denn genauso wie der Delfin, der Wal, der Seeigel oder das Korallenriff, können auch wir nicht ohne den Ozean überleben. Denn im Grunde sind auch wir Meerestiere.“

Das Goodtimes Mag war zu Gast auf der Premiere der International Ocean Film Tour 2018. Die Veranstaltung, welche am 15. März in der Laieszhalle stattfand, begann zunächst mit einem Panel bei dem Umweltaktivisten, berühmte Persönlichkeiten und Politiker über das Problem der Meeresverschmutzung diskutiert und sich ausgetauscht haben. Der Ehrengast dieser Veranstaltung war die amerikanische Ozeanografin Sylvia Earle, die extra angereist war, um im Laufe des Events vor hunderten von Menschen über ihr Projekt „Hope Spots“ zu sprechen. Wir hatten die Ehre ein persönliches Interview mit ihr führen zu dürfen.

Seit Jahrzenten setzt sich Sylvia Earle für den Schutz der Meere ein, reist von einem „Hope Spot“, also einer ozeanischen Schutzzone, zur anderen. Sie klärt sowohl junge Menschen, als auch große Unternehmen, bis hin zu politischen Oberhäuptern über die Maßnahmen zum Erhalt unserer Weltmeere auf und bringt so selbst die größten Klimawandel-Kritiker wie Brasiliens Präsident Michel Temer zum Handeln.

Im Interview fragen wir Sylvia Earle, wie sie die Entwicklung der Meeresverschmutzung bisher miterlebt hat und wie sich der Zustand heute im Vergleich zum Anfang ihrer Karriere gewandelt hat.

„Ich erlebe die Meeresverschmutzung sowohl anhand von offensichtlichen Beweisen, als auch als betroffene Zeitzeugin. Wenn andere Menschen das gesehen hätten, was ich gesehen habe, dann wären sie vielleicht sogar in Teilen davon inspiriert. Es ist frustrierend zu sehen, dass es Menschen gibt, die nicht über die Konsequenzen ihrer Handlungen nachdenken. Ich sehe die Probleme und kenne die Lösungen dafür. Doch es scheint als würden Regierungen die Verantwortung auf die nächste Generation abwälzen: „Die Kinder werden es schon richten“, denken sie. Dennoch sehen sie das Schmelzen der Polarkappen und die Bedrohung der Unterwasserwelt. Die Beweise sind überall. Das Leben wird weiter gehen, mit oder ohne uns. Manche Forscher sind der Ansicht, dass wir an einen Punkt gekommen sind, von dem es kein Zurück mehr gibt. Aber dem stimme ich nicht zu. Ich glaube nicht, dass wir zu weit gegangen sind. Ich habe die Hoffnung an verschiedenen Flecken dieser Erde gesehen und glaube daran, dass wir es richten können. Ich habe die Konsequenzen gesehen, aber ich habe auch die positiven Reaktionen und den damit einhergehenden positiven Resultate gesehen. Wir sehen heute, wie Regierungen unterschiedlicher Länder und Kontinente beginnen Umweltfragen ernst nehmen, was vor 20 Jahren noch unvorstellbar war. Menschen auf der ganzen Welt erheben ihre Stimme und sagen: „Wir sind dabei!“. Der Weg wird kein einfacher sein. Doch damals hatten wir noch nicht die Auswahl an Ressourcen, die uns heute zur Verfügung stehen.

Wir wollen außerdem wissen, was sie uns jungen Menschen, insbesondere den Wassersportlern und Oceanlovers mit auf den Weg geben kann. Was können wir tun, um uns so für die Meere einzusetzen, so wie sie es tut.

„Schätzt es, dass ihr in der heutigen Zeit lebt. Als ich noch ein Kind war, war es wesentlich schwieriger publik zu gehen und sich mit anderen zu verbinden. Heute habt ihr viele verschiedene Kommunikationswege, von denen ihr profitieren könnt. Glaubt daran, dass ihr eine Stimme habt, die gehört wird. Scheut euch nicht davor, laut zu werden. Lasst euch nicht einschüchtern, habt Mut und verliert niemals eure Hoffnung auf eine bessere Welt. Seid euch im Klaren, dass JEDER etwas bewegen kann. Egal wann, egal wo, egal wie. Nutzt eure Passion und das was euch bewegt, wofür ihr insgeheim brennt. Ist es Tauchen? Ist es die Wissenschaft? Oder vielleicht sogar Musik? Dann schreibt ein Lied über den Ozean und macht so auf den Missstand aufmerksam. Finde Menschen, die deine Leidenschaft teilen. Wenn du dorthin gehst, wo die Action stattfindet, dann wirst du sehr schnell auch Teil der Action.“

Am Ende wollen wir noch einen Fun Fact wissen und sind überrascht von ihrer tiefgründigen Antwort. Wir möchten wissen, was Sylvia Earle’s Lieblings-Meerestier ist.

„Ach, das ist einfach (sie schmunzelt): Der Mensch. Wir sind alle Meerestiere und brauchen den Ozean genauso wie ihn Delfine, Wale, Seeigel oder Korallenriffe brauchen. Und da ich selbst ein Mensch bin, habe ich uns wirklich gern (sie lacht). Ich möchte, dass wir überleben. Und wenn wir uns nicht um andere Meerestiere kümmern, dann werden wir es sehr schwer haben und unsere Existenz gerät in Gefahr. Jeder Mensch ist ein Wunder und ohne die Tierwelt im Meer und auf Land, können wir einfach nicht überleben. Wir sind Teil dieser Evolutionskette, und somit sind wir auch Seekreaturen.

Slyvia Earle wusste schon im Alter von drei Jahren, dass sie ihr gesamtes Leben dem Ozean widmen wird. Sie forschte jahrelang an verschiedenen Universitäten, stand mehreren Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika mit Rat in Sachen Umweltschutz zur Seite. Sie gründete mit ihrem Ehemann Graham Hawkes die Firma Deep Ocean Engineering, welches Geräte zur Unterwasserforschung herstellt, bis sie schließlich die Mission Blue Initiative ins Leben rief, die sich den sogenannten „Hope Spots“ widmet. Mittlerweile ist sie auch Mitglied der National Geographic Society und tretet mit TED Talks und Reden auf verschiedenen Versammlungen, Events und politischen Treffen auf, um sich für den Schutz der Meere einzusetzen.

An diesem Abend sprach sie vor hunderten von Menschen und appellierte an uns, dass wir in der Verantwortung stehen unsere Meere zu schützen. Wir haben die Macht gemeinsam etwas zu bewegen. Bist du dabei?

 

Tina Kempka

The author Tina Kempka

Ich liebe das Meer, ich liebe die Berge, ich liebe das Abenteuer. Die Leidenschaft für das Schreiben habe ich vor nicht allzu langer Zeit zu einem festen Bestandteil meines Lebens gemacht. Egal auf welchem Terrain oder Fleckchen Erde ich mich bewege, ich versuche immer eine interessante Story zu Papier zu bringen. Als Kind wollte ich Meeresbiologin, Forscherin und Journalistin werden. Heute schreibe ich über das Meer, den Umweltschutz und den Lifestyle der Actionsportszene.
Goodtimes Mag
Melde Dich jetzt bei unserem Newsletter an
Erhalte als Erster News aus den Actionsportbereichen WATER, MOUNTAIN, STREET,  EVENTS, TRAVEL & LIFESTYLE.
Ja, ich habe Lust auf Goodtimes News!
Nein, danke!
close-link

Warning: Cannot assign an empty string to a string offset in /www/htdocs/w00edf71/html/goodtimesmag/wp-includes/class.wp-scripts.php on line 426

Warning: Cannot assign an empty string to a string offset in /www/htdocs/w00edf71/html/goodtimesmag/wp-includes/class.wp-scripts.php on line 426