close
Water

Jeremy Loops | Ein Liebeslied an den Ozean

Jeremy Loops ist längst kein Unbekannter mehr in der deutschen Musikszene. Bei seinem letzten Besuch in Deutschland, haben wir dem Surfer, Umweltaktivist und Singer-Songwriter ein paar Fragen zu seinem neuen Album “Critical As Water” und seinem Lieblings-Surfspot gestellt:

© Lasse Schneppenheim

Was ist besser: Alleine reisen oder mit der Band auf Tour gehen?

Ich liebe es zu reisen. Meine Füße konnte ich noch nie wirklich still halten. Nach meinem Highschool Abschluss war ich während der Hurrikan-Saison zwei Monate lang mit einem Schiff unterwegs. Das hat mich dazu gezwungen zwei Jahre lang auf den Bahamas und der Karibik zu arbeiten. Doch nach dieser Zeit hatte ich das Bedürfnis einen Backup-Plan zu schaffen und etwas neues zu lernen. Deshalb kehrte ich nach Südafrika zurück um Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Wirtschaft war zwar nie wirklich meine Leidenschaft, aber es war etwas “Vernünftiges” und keine “Brotkunst”. In Südafrika finanziert dich der kreative Beruf einfach nicht – es sei denn du bist wirklich erfolgreich. Deshalb wollte ich noch einen Plan B haben und entschied mich für Wirtschaft.

Doch als ich endlich meinen Abschluss in der Tasche hatte, habe ich mich wieder der Musik gewidmet. Also bin ich noch für zwei weitere Jahre als Straßenmusiker mit meinen Loops um den Erdball gereist. Meine Solo-Reisen haben meine Karriere stark geprägt und dafür bin ich sehr dankbar. Aber ich liebe es auch auf Tour zu sein – auf Tour zu sein ist so ziemlich das Aufregendste auf der Welt.

Hast du einen Lieblings-Surfspot?

Meine beste Surferfahrung und somit Spot hatte ich auf den Azoren. Dort haben wir uns ein Auto gemietet. Wir hatten keine Ahnung ob wir dort tatsächlich surfbare Wellen finden würden – es gab keine Dokumentation, keine Informationen darüber, dass die Bewohner dort surfen würden. Doch direkt am ersten Spot sahen wir eine perfekte Rechte. Es war unheimlich, weil wir nicht wussten wo wir waren, ob es an dieser Stelle Haie gab und das Wasser war wirklich tief. Hinter uns konnte man diesen gewaltigen Vulkanberg und die rauen Klippen sehen. An diesem Tag waren die Wellen perfekt und es war der wildeste Surf, den ich je hatte.

Was ist deine Lieblings-“Oceanstory”? War sie das?

Auf keinen Fall! Da ist noch so viel mehr, was ich erzählen könnte.  Meine liebste Oceanstory passierte als wir das Musikvideo zu dem Song “Waves” in Mosambik gedreht haben. Es war ziemlich schwierig, an diesen Ort zu gelangen. Man fährt etwa 60 km bis zu einem kleinen Fischerdorf, welches direkt vor dieser perfekten Welle liegt. Wir waren die einzigen Surfer am Spot und waren einfach begeistert. Zwei Wochen lang konnten wir im leeren Line Up wunderschöne Wellen surfen.

Dein letztes Album heißt „Critical as Water“. Wie bist du auf diesen Namen gekommen?

Es gibt viele Songs auf diesem Album, die vom Ozean inspiriert sind. In der jüngsten Geschichte Südafrikas wurden wir Zeuge der Apartheid und ich denke, als junger Südafrikaner bin ich sehr sensibel gegenüber Themen, wie dem derzeitigen “Trumpism”, “Brexit” und dem generellen Rechtsruck in Europa. Durch diese “First World”-Länder zu touren und zu sehen, dass Rassismus einen erneuten starken Aufschwung hat; das ist etwas das ich nicht glauben kann und es ist gleichzeitig beängstigend. Ich wollte mich auf meinem neuen Album kritisch gegenüber solcher Ideologien äußern.  Im Prozess des Songwritings, ereilte mich jedoch eine Schreibblockade. Es ist nicht einfach über diese Themen zu schreiben. Insbesondere dann, wenn sich die Dinge auf der Welt so schnell bewegten und die schlechten Nachrichten außer Kontrolle zu geraten schienen. Alle wollten wissen, wo meine neuen Songs bleiben.

Daraufhin habe ich mir sechs Monate frei genommen, weil ich mit den Songs, die ich während der Tour schrieb, nicht zufrieden war. Zuhause surfte ich jeden Tag und habe mich mit allen meinen Freunden getroffen. Das war eine wirklich gut Erfahrung und Methode um den Druck abzubauen. Mein Körper und meine Seele haben sich erholt. Die Idee zum Song „Waves“ kam mir, als ich an einem Tag mit größeren Wellen surfte. Das war ein Tag an dem ich sehr mutig war und am Ende des Tages, habe ich mich in das Meer verliebt. Es ist ein Liebeslied an den Ozean. Ich habe alles in einer Nacht geschrieben. Das war ein wirklich gutes Zeichen. In der ersten Woche nach „Waves“ schrieb ich alle neuen Songs. Deshalb ist dieses Album vom Ozean inspiriert. Ich war die ganze Zeit im Meer. Es fühlte sich sehr organisch an.

Lieblings Meerestier?

Wale sind super mystische Tiere. Kleine Anekdote: Wir sind während dem Sonnenuntergang surfen gegangen. In Südafrika wird man bei Anbruch der Dämmerung ein wenig nervös, denn genau da beginnt die Zeit in der Haie auf Futtersuche gehen. Doch wir Surfer sind sehr sturköpfig und möchten immer die eine letzte Welle mitnehmen. Ein Freund und ich warteten eben stur auf diese eine Welle. Und plötzlich, nur einen Meter von uns entfernt, taucht dieses gewaltige Wesen auf und schaut uns an. Sein Auge war das erste, was wir sahen. Einen Meter von uns entfernt. Der Wal schaute uns neugierig an und schwamm wieder davon. Wir waren beide einfach sprachlos.

Mehr Infos zur Tour erhaltet ihr hier: http://jeremyloops.com/tour/

 

Tina Kempka

The author Tina Kempka

Ich liebe das Meer, ich liebe die Berge, ich liebe das Abenteuer. Die Leidenschaft für das Schreiben habe ich vor nicht allzu langer Zeit zu einem festen Bestandteil meines Lebens gemacht. Egal auf welchem Terrain oder Fleckchen Erde ich mich bewege, ich versuche immer eine interessante Story zu Papier zu bringen. Als Kind wollte ich Meeresbiologin, Forscherin und Journalistin werden. Heute schreibe ich über das Meer, den Umweltschutz und den Lifestyle der Actionsportszene.
Als Chefredakteurin des Goodtimes Mag bin ich für die Themen und das “Drum-Herum” zuständig.

Goodtimes Mag
Melde Dich jetzt bei unserem Newsletter an
Erhalte als Erster News aus den Actionsportbereichen WATER, MOUNTAIN, STREET,  EVENTS, TRAVEL & LIFESTYLE.
Ja, ich habe Lust auf Goodtimes News!
Nein, danke!
close-link