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Elternzeit mal anders: Roadtrip durch Europa als Vanlife-Familie

© Janine Oswald

Ein Roadtrip klingt immer so einfach: Sack und Pack in den Wagen geschmissen und ab Richtung Süden, immer der Freiheit und Sonne nach. Doch was ist, wenn man bereits Kinder hat und den Job auch nicht einfach für die Reise an den Nagel hängen möchte? Janine und Vincent Oswald (beide 29) haben eine Lösung gefunden: die Elternzeit nutzen!

Rund zehn Monate haben die jungen Eltern geplant, mit ihren Töchtern Greta (4) und Tilda (9 Monate) einen Roadtrip durch Europa zu machen. Vincent hat uns vom spanischen Hinterland aus, 200km westlich von Valencia, von der Reise erzählt und ob er es schafft, neben dem Leben als Vanlife-Dad seiner neuesten Leidenschaft nachzugehen: dem Surfen.

Instagram @viergefaehrten  © Janine Oswald

#Vanlife

Für einen Roadtrip muss als erstes das passende Gefährt her. Die Wahl von Janine und Vincent fiel aus einen ausrangierten Feuerwehrbus, Modell T1 von Mercedes, Baujahr 1991 – natürlich in knalligem Feuerwehrrot. Komplett in Eigenregie baute Vincent ihn zum Camper für ihren Roadtrip um.

Wenn man es dir gleich tun möchte, Vincent:
Was sind deine wichtigsten Tipps ?

Ich glaube, das wichtigste sind Geduld und Planung. Sowohl beim Kauf, als auch beim Ausbau. Im seltensten Fall ist gleich die erste Karre die man sich anschaut, der Weg ins Glück. Manchmal muss man sich einige anschauen, bis man einen Bus findet der passt. Beim späteren Ausbauen hilft es enorm sich zuerst einen genauen Plan zu machen, anstatt drauf los zu bauen. Das erspart einem später unnötiges improvisieren. Abgesehen davon: Spaß haben am basteln und bauen sind unabdingbar. 

Was ist in eurem Van zum unverzichtbaren Teil geworden
und was hättet ihr getrost zu Hause lassen können?

Glücklicherweise haben wir echt nur sehr wenig Gepäck umsonst mitgenommen. Bis auf unsere Daunenjacken und das ein oder andere Werkzeug kam alles bisher schon mindestens einmal zum Einsatz und wir waren dankbar es mitgenommen zu haben. Unverzichtbar ist definitiv und wenig überraschend ein funktionierender Gaskocher. Merken wir immer dann, wenn die Gaspulle dann doch schon wieder leer ist und kein Ersatz greifbar. Dann steht man da mit seiner Butterstulle…

Die Hotspots der Reise

Mit insgesamt knapp zehn Monaten Zeit lassen sich einige Stationen abklappern. Für Vincent und seine Familie ging es bisher von Deutschland aus nach Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Gibraltar und Portugal. Als nächstes reisen sie den ganzen Weg wieder zurück, mit einem Schwenk über Sardinien. Im Sommer soll es noch Abstecher nach Schweden und Dänemark geben. Die bisherigen Lieblingsspots haben sie uns schon mal verraten: Nach einem unbezahlbaren Moment klingt das Aufwachen auf dem Monte Fasce nahe der italienischen Hafenstadt Genua mit Blick auf einige Wildpferde vor der eigenen Bustür. Auch die Verdonschlucht in Frankreich und der Strand von Praia de Ponta Riuva in Portugal haben es ihnen besonders angetan. Letzterer sicher auch durch seinen Ruf als Surfhotspot.

Eure Reiseroute habt ihr vor allem an der Küste entlang geplant.
Wie kommt das?

Ich glaube man geht oftmals davon aus, dass es am Meer am schönsten ist, wobei wir in nahezu allen Ländern auch viel Zeit im Hinterland verbracht haben. Gerade hier in Spanien stellen wir mal wieder fest, dass nicht nur die Küste atemberaubend sein kann. Aber ich denke, dass man mit dem Vanlife oftmals das aufwachen am Strand verbindet und es einen deshalb auch oft dahin zieht. Darüber hinaus ist es an der Küste meistens wärmer.

Dein Surflevel beschreibst du mit „ehrgeiziger Beginner”. Wie bist du zum Surfen gekommen?

Brettsportarten haben bei mir schon eine längere Tradition, auch wenn ich erfahren musste das Surfen und Snowboarden nur schwer zu vergleichen sind. Als wir vor drei Jahren schon mal in Portugal mit einem Van unterwegs waren, hab ich gedacht: „Das willst du auch mal probieren!“ Auf unserer jetzigen Reise habe ich dann die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mich in Portugal gemeinsam mit einem Kumpel das erste mal in die Wellen gestürzt. 

(Wie) schaffst du es – neben deinem Familienleben
und dem Fahren von Ort zu Ort – zum Surfen zu kommen? 

Das ist zugegebenermaßen gar nicht so einfach. Denn zum einen kann ich Janine nicht jeden Tag beide Kinder und den Hund aufs Auge drücken und rauspaddeln, zum anderen sind für ein Greenhorn wie mich nicht jeden Tag gute Bedingungen gegeben. Manchmal ist es einfach zu krass, da lässt mich meine Frau nicht ins Wasser [lacht]. Aber vor ein paar Tagen war ich in El Palmar in Andalusien surfen. Das war super, auch wenn es mich ein paar mal ordentlich durchgewaschen hat. 

Reisen als Blogger

Wenn sie nicht auf Reisen sind arbeitet Vincent als Senior Art Director und Janine ist Projektmanagerin und nebenberuflich Fotografin. Dass auf ihrer Reise tolle Fotos entstehen, davon haben schnell neben ihren Familien und Freunden mehr Menschen Wind bekommen. So hat es die reisende Kleinfamilie schon unter anderem auf Spiegel Online geschafft. Aktuelle Eindrücke kann man auf ihrem Instagram-Account @viergefaehrten mitverfolgen.

Was sind eure Ziele damit,
dass ihr eure Reise mit der Öffentlichkeit teilt?

Wir verstehen uns ein Stück weit als Inspiration für Eltern, das Geschenk von bezahlter Elternzeit zu nutzen und Zeit mit ihrem Kind oder sogar Kindern zu verbringen. Ob jetzt auf einer Reise oder auf dem heimischen Spielplatz ist egal. Aber man sollte sich bewusst sein, dass Deutschland so ziemlich das einzige Land ist, das Eltern so etwas in diesem Umfang ermöglicht und das sollten einfach noch viel mehr Leute nutzen.

Gibt es auch Momente, in denen ihr bewusst
auf Social Media & Co. verzichtet?

Wir versuchen generell, uns so wenig wie möglich davon beeinflussen zu lassen, was nicht immer leicht ist. Aber es gibt schon auch einige Momente, wo wir keine Lust oder Zeit haben, uns um unseren Kanal zu kümmern. Oder uns fehlt manchmal auch einfach Material, was wir veröffentlichen können. Viele Reisende verdienen mit ihren Social Media Accounts ihre Brötchen, das ist bei uns zum Glück nicht so. Insofern können wir auch getrost Instagram mal ein paar Tage ruhen lassen.

Mit kleinen Kindern auf großer Reise

Das ganze Reisen hat genau genommen die Geburt von Tilda (mittlerweile 9 Monate) ermöglicht, denn daraufhin konnten Janine und Vincent ihre Eltern-auszeit vom Job nehmen. Mit einem Bus, der fast das gleiche Baujahr wie seine jetzigen Fahrer hat, geht man aber auch immer ein kleines Wagnis ein. So hat der berüchtigte Reiseblues auch die vier Gefährten schon getroffen – kaputte Reifen, streikende Kupplung und sogar ein Einbruch in den Feuerwehrwagen machten ihnen die Reise manchmal schwer.

Wie motiviert ihr euch in solchen Momenten, weiterzumachen?

Also der Einbruch war schon nen ziemlicher Downer. Danach haben wir schon ein bisschen gebraucht, um wieder Spaß am Reisen zu haben. Aber solche Situationen gehören dazu und man weiß dann die schönen Momente umso mehr zu schätzen. Ich glaube das ist die größte Motivation, wenn’s mal nicht so läuft: die Gewissheit, dass auch wieder tolle Momente kommen und man über Missgeschicke oder auch eine kaputte Kupplung im Nachhinein lachen kann. 

Ist eure Tochter Greta genauso begeistert wie ihr vom Reisen oder vermisst sie auch mal ihre Heimat?

Greta ist diejenige, die am meisten für diese Reise aufgeben musste. Dazu kommt, dass bis auf die Ausnahme ihrer Eltern, alle Menschen um sie herum andere Sprachen sprechen, die sie nicht versteht. Das ist für eine Vierjährige schon manchmal frustrierend und sie vermisst ihre Freunde und Großeltern sehr. Trotzdem sind wir immer wieder beeindruckt mit wie viel Mut und Offenheit sie die neuen Eindrücke in sich aufnimmt und sich an den kleinsten Details erfreuen kann, die uns großen oftmals durch die Lappen gehen. Das ist manchmal echt beneidenswert. 

© Janine Oswald @minimum.pictures

Reicht bei Heimweh die heiße Schokolade zum Trösten oder was sind eure Geheimtipps für andere Eltern?

Generell sollte man sich als Eltern bewusst machen, dass Kinder in dem Alter Fernweh noch nicht kennen, Heimweh aber schon. Und darauf muss man eingehen und vor allem damit umgehen können. 

Viele Eltern würden sich wahrscheinlich nicht trauen, mit so jungen Kindern schon eine Reise wie eure anzutreten.
Könnt ihr ihnen da guten Gewissens Mut machen?

Ja, definitiv. Wir finden, je jünger desto entspannter ist das reisen. Wenn erstmal die Schule losgeht, wird’s schwierig. Deshalb die Zeit davor nutzen und sich nicht zu viel Sorgen um die Kinder auf so einer Reise machen. Die kommen zurecht. Die besorgten Erwachsenen sind der Schwachpunkt!

Das Beste mitnehmen

Nicht nur die Hündin Quinta hat die Kleinfamilie in einem Tierheim in Portugal aufgegabelt und bringt sie mit von der Reise. Auch viele Eindrücke und tolle Erlebnisse konnten die Oswalds bereits sammeln.

Was nehmt ihr mit von eurer Reise in den Alltag?

Diese Reise hat uns definitiv gezeigt, dass wir nicht wieder eins zu eins in unser altes Leben zurück wollen. Wir möchten ein Stück dieser Freiheit und Nähe zur Natur in unseren Alltag „danach“ übertragen. Wie und in welcher Form das geschieht, steht noch nicht zu hundert Prozent fest. Aber wir haben von vornherein diese Reise angetreten, in dem Bewusstsein uns dadurch auch im normalen Leben zu verändern. 

Eure Wohnung in Hamburg musstet ihr vor der Reise aufgeben. Wie plant ihr eure Rückkehr? Vielleicht nur als Zwischenstopp auf der Weiterreise?

Wir wollen definitiv wieder einen festen Wohnsitz haben. Das vermissen wir am meisten. Ein Leben ausschließlich im Van können wir uns nicht vorstellen – dieser Art zu Reisen werden wir aber auch in Zukunft treu bleiben. Für uns gibt es da keine Alternativen. Wir planen gerade, ab Anfang Mai für ein paar Wochen in Deutschland zu sein, bevor wir noch mal für 4-5 Wochen nach Schweden und Dänemark aufbrechen wollen. Und da noch ein letztes Mal surfen, bevor ich im August wieder arbeiten muss. 

Die Reise findet also bereits eine Fortsetzung, bevor sie zu Ende geht. Gut so! Wie es für Familie Oswald weitergeht, könnt ihr auf Instagram mitverfolgen. Euch packt nun auch das Reisefieber und ihr braucht noch die passende Vanlife-Ausrüstung? Die findet ihr hier im Saltwater Shop. Mehr Beiträge zum Thema Reisen gibt es hier.

Fotocredits: © Janine Oswald, Instagram: @minimum.pictures

Mitja Steffens

The author Mitja Steffens

Von Hamburg aus bin ich immer auf der Suche nach etwas Neuem in der Welt – zu Wasser, in den Bergen oder in der Luft: Hauptsache, es weckt Leidenschaft! Vom neuesten Trendsport bis hin zum Musikgeheimtipp – nur die besten Früchte teile ich hier mit euch!

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